Wie du eine Kneipenschlägerei überlebst

Wie du eine Kneipenschlägerei überlebst

Eines vorneweg: Die Lektüre dieses Textes macht dich nicht zum Berserker, der mit einem Messer im Rücken noch den ganzen Laden ausräumt. Sie soll helfen, dir den Arsch zu retten. Und sie soll dir einen Vorgeschmack darauf geben, was dir blüht, wenn du leichtfertig einen Kampf eingehst, ohne dir Gedanken über die Folgen zu machen. Dann hast du nämlich am Ende vielleicht wirklich ein Messer im Rücken. Allerdings ohne noch die Kneipe ausräumen zu können.

Manchmal findest du in der Selbstverteidigungsliteratur eine Unterscheidung zwischen einer Schlägerei und einem Kampf auf Leben und Tod. Meiner Meinung ist das nur eine analytische Unterscheidung. Vielleicht gibt es diesen Unterschied tagsüber auf der Straße, wo du eine kritische Situation noch halbwegs abschätzen kannst — abends erübrigt er sich. Insbesondere in Klubs oder Kneipen, in denen zwielichtige Gestalten herumhängen und in der Regel Drogen und Alkohol konsumiert haben.

Unbestreitbar gibt es in einer Schlägerei unterschiedliche Eskalationsstufen. Aus einer Schubserei kann eine Schlägerei mit Bierkrügen oder auch eine Messerstecherei werden. Und natürlich ist eine Messerstecherei gefährlicher als ein Stoß vor die Brust von einem Halbstarken. Worauf es allerdings ankommt, ist das Grundsätzliche. Jeder noch so kleine Anlass kann eskalieren.

Das heißt natürlich nicht, dass du ab sofort finster dreiblickend die Clubs nur noch mit dem Rücken zur Wand durchqueren solltest. Aber du solltest ein gesundes Grundmisstrauen haben und die Augen offen halten. Und vor allem solltest du immer im Kopf behalten, dass unschuldige Leute schon oft aus nichtigen Gründen böse zusammengestiefelt oder gar umgebracht wurden.

Dein Gegner will dich töten

Wir müssen jeden körperlichen Angriff auf uns verdammt ernst nehmen. Wir gehen erst einmal davon aus, dass uns unser Gegner uns mindestens schwer verletzten, vielleicht sogar töten will. Die Geschichten von den U-Bahn-Schlägern legen davon Zeugnis ab. Und wer sagt uns, dass unser Gegner nur ein dummer Straßenschläger ist?

Erstens haben diese Leute im Gegensatz zu vielen Kampfsportlern Erfahrung im Prügeln, zweitens keine hemmenden Skrupel und drittens könnten sie auch bei den Kampfschwimmern gewesen sein oder ein Messer in der Tasche haben. Oder sie könnten in der Überzahl sein.

In jedem Fall wäre es vernünftiger, die Beine in die Hand zu nehmen. Manchmal geht das aber nicht, sei es, dass du deine Freundin beschützen musst, du jemandem zu Hilfe kommst oder es einfach nicht willst.

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Lies auf jeden Fall den Notwehr-Paragraphen (§32 StGB) und mach dir bewusst, was er bedeutet: Du darfst einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff abwehren. Lauf also nicht herum und verprügle grundlos Leute. Und provoziere sie bitte auch nicht mutwillig. Aber lass dir auch keine Angst machen. Wenn dich jemand angreift, bist du immer im Recht, wenn zu zurückschlägst, egal wie hart. Hör nur bitte damit auf, wenn der andere wehrlos ist und droht, bleibende Schäden davonzutragen.

Diese Vorüberlegungen führen uns zu drei recht banalen Regeln:

1. Halte deine Augen offen. Passe deine Aufmerksamkeit an die Umgebung an.

2. Halte dich aus Schlägereien heraus. Du kannst trotzdem ein Mann sein. Manchmal musst du aber tun, was ein Mann tun muss.

3. Wirst du angegriffen, weißt du nicht, wie schwer dich der andere verletzen will. Schlage also entsprechend zurück.

Mein Sambo-Trainer Andrej war acht Jahre lang Nahkampf-Ausbilder in der russischen Armee. Er sagt immer: „Ein Nahkampf dauert nur 5 Sekunden. Zerstöre dabei alles, was dir im Weg ist. Egal ob Nase, Kiefer… Verwandle dich in eine rasende Bestie und mach deinen Gegner platt.“ Klingt brutal, ist brutal. Aber auch wahnsinnig effektiv. In einer Gefahrensituation solltest du den Mantel der Zivilisation so schnell wie möglich ablegen.

Wer nicht zuschlägt hat bereits verloren

Das heißt also auch: Lege deine Zuschlag-Hemmung ab. Normale Menschen wollen einem anderen in der Regel nicht wehtun. Noch fataler ist, dass sie es meistens auch gar nicht können. Anstatt sich zu wehren, sind die meisten Leute schon auf dem Schulhof unter Zurücklassung ihres Pausengeldes lieber weinend zum Lehrer gerannt. Die wenigsten haben gelernt, immer ihren Mann zu stehen, sich nicht alles gefallen zu lassen und auch Zivilcourage zu zeigen.

Du solltest also Selbstverteidigung oder einen Kampfsport erlernen und dabei an deiner inneren Einstellung und deinem Selbstbewusstsein arbeiten. So dass du im Ernstfall jemandem ohne mit der Wimper zu zucken die Fresse polieren kannst. Wenn es bei dir in der Gegend jemanden gibt, der Krav Maga trainiert, geh zu ihm.

Bei Krav Maga wird dir im Gegensatz zu Judo, Karate, Aikido und „Selbstverteidigung für Mädchen“ Wert darauf gelegt, den Praktizierenden bewusst zu machen, wie scheiße gefährlich eine Kampfsituation ist. Und dass du deinen Gegner in Grund und Boden stampfen musst, weil er sonst wieder aufsteht und die Malaise gleich wieder von vorne anfängt. Ganz allgemein sind Vollkontakt-Kampfsportarten zu empfehlen. Andrej sagt, Nahkampf besteht zu 70 bis 80 Prozent aus Kampfsport, der Rest ist dann spezifisches Nahkampftraining.

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Bist du in einer kritischen Situation, denk daran: zunächst bist du allein! Wenn du das erste Mal wirklich in der Scheiße steckst, wirst du sehr schnell sehen, wie sich die Spreu vom Weizen trennt und auf wen deiner Freunde du dich wirklich verlassen kannst. Die meisten ziehen nämlich in einer gefährlichen Situation den Schwanz ein.

Ich weiß, es ist schwer, denn in einer Gefahrensituation stehst du erst einmal gewaltig unter Druck und das Adrenalin setzt dich unter Strom. Aber versuch immer, einen kühlen Kopf zu behalten. Ein Krav Maga-Instruktor sagte mir einmal: „A professional don´t panic.“ Denk bei dem Ganzen immer daran, dass du die Notwehrgrenze nicht überschreiten solltest, also mach das Arschloch fertig und dann hau ab und ruf die Polizei.

Wir sind jetzt also trotz unserer guten Vorsätze mit diesem Typen aneinandergeraten. Was ist zu tun? Wie gesagt, dieser Text kann keine jahrelange Ausbildung in Sachen Kampfsport und Nahkampf ersetzen, insbesondere kannst du dabei effektiv lernen, wie Technik rohe Gewalt aussticht. Einige Grundregeln sind für Laien jedoch zu beachten.

Vermeide Gewalt wann immer es geht

Entschuldige dich zunächst, was auch immer passiert ist und wer auch immer die Schuld daran trägt. Mache dem anderen klar, dass es dir leid tut und du eigentlich einen entspannten Abend haben willst. Sag etwas wie: „Es tut mir leid, das war ein Fehler. Lass uns das bereinigen, das ist nicht persönlich.“ Sei dabei selbstbewusst, aber nicht aggressiv oder unterwürfig. Das kannst du auch ruhig mehrmals wiederholen und in der Regel sollte das auch ausreichen. Wir sind ja alle hier, um uns zu amüsieren.

Genügt das jedoch nicht, und der andere holt zum Schlag aus, musst du leider brutal werden. Grundsätzlich gilt: Bringe deine harten Körperteile möglichst schnell und stark in Kontakt mit seinen weichen Körperteilen.

Also zum Beispiel Faust auf Solarplexus, Finger in Auge, Knie in die Eier, Ellenbogen an den Hals, Stirn auf Nase. Es tut auch nicht gerade gut, wenn dir mit der flachen Hand gleichzeitig auf beide Ohren geschlagen wird. Das Ganze ruhig kombinieren und wiederholen.

Halte dich an einfache Techniken

Nimm gegebenenfalls Einrichtungsgegenstände zur Hilfe, also etwa Gläser, Stühle, Gürtel, Kugelschreiber. Grappler können natürlich auch würgen oder versuchen den anderen zu fixieren. Ich rate davon aber eher ab, weil dadurch auch ein flexibler Rückzug erschwert wird. Liegst du erst mal am Boden oder setzt einen Hebel an, können dich schon seine Kumpels am Schlafittchen packen.

Mach vor allem keine Bruce-Lee-Scheiße, es sei denn du hast es wirklich richtig drauf. Tritte sind sehr gefährlich. Wenn der Typ deine Beine packt, liegst du in der Regel erst einmal am Boden.

Schlag auch nicht wie der letzte Trottel mit der Faust in sein Gesicht, wenn du es nicht richtig kannst. In der Regel zieht der Mensch sein Kinn instinktiv auf die Brust, dann brichst du dir an seinem harten Schädel noch die Hand.

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Frau

Hau ab, sobald der Kampf vorbei ist

Wenn du ein paar Treffer gelandet hast und die unmittelbare Gefahr gebannt ist, empfiehlt es sich, einen kurzen Rundumblick zu riskieren und die Lage einzuschätzen. Bist du alleine in der feindlichen Meute, zieh dich elegant zurück. Stell auf jeden Fall sicher, dass du dir nicht voller Stolz über deinen glorreichen Sieg erst einmal einen Kurzen an der Bar genehmigst und der Typ aufsteht und dir von hinten seine Bierflasche über den Kopf zieht.

Verlasse möglichst den Ort des Geschehens, suche deine Freunde zusammen, rufe die Polizei, informiere die Security, hole eventuell den Notarzt. Und habe auf dem Nachhauseweg ein waches Auge, nicht dass dir noch jemand auflauert.

Ein Wort noch zum Thema Alkohol: Bei fast jeder meiner Prügeleien war ich bisher zumindest an- oder sogar komplett betrunken. Nur in einer Situation denke ich im Nachhinein, dass ich auch nüchtern ganz genau so und nicht anders handeln musste. Alle anderen hättest du unter Umständen auch durch besonnenes Verhalten entschärfen können.

Behalte das im Hinterkopf, trink nicht so viel und sei erwachsen, andere Typen haben auch ein riesiges Ego. Aber sei kein Schisser, manchmal musst du dein Recht leider auch durchsetzen oder jemandem zur Seite springen.

 


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