Tanzen ist Sport nicht nur in Südtirol

Tanzen ist Sport nicht nur in Südtirol

wyme: yo Arno, erzähl uns erst mal bitte, wie und wann du angefangen hast, Events aufzuziehen und was so deine Laufbahn im Musik/Eventbereich war.
Arno Parmeggiani: Wir waren 14 Jahre alt und unzufrieden. In unserer 20.000 Seelen Stadt fühlten wir uns in manchen Belangen einfach nicht wohl. Unter anderem im kulturellen Bereich. Natürlich darf man von einer Kleinstadt nicht verlangen, ein ständiges Angebot zu haben wie eine Metropole, wir sehnten uns aber nach Alternativen. Vor allem in musikalischer Hinsicht. Wir gingen skaten und snowboarden und auf Punk- und Indiekonzerte und irgendwann begannen wir einmal im Monat, in einem umgebauten Gartenhaus eine Feier zu organisieren. Wir kauften Bier, liehen eine Anlage aus. Wir legten unsere Lieblingsmusik auf und machten uns unabhängig. Die Parties sprachen sich die Runde und entwickelten sich weiter. Genau in dieser Zeit begann ich persönlich eigentlich aufzulegen. Ich brachte meine CDs mit, lieh mir welche aus und spielte sie ab.

Irgendwann rief mich der Betreiber eines bekannten Lokals in der Innenstadt an und fragte ob ich meine Musik bei ihm im Club auflegen wollte. Das machte ich dann. Anfangs an Vorfeiertagen oder unter der Woche. Ich druckte mit der Kopiermaschine in der Schule Flyer und verteilte sie selber. Die Abende hiessen „Alternative Rock Night“ und später „IndiepenDANCE“. Es kamen auf Anhieb ziemlich viele Leute und das aus der gesamten Umgebung und von anderen Städten.

ΔLMORE ❤ Festival 2011 from wupwup on Vimeo.

Da hab ich dann persönlich gemerkt, dass dieser Bedürfnis nach alternativer Musik und ganz allgemein alternativen Feiermethoden bei vielen Leuten bestand. Das trieb unglaublich an.

tanzen ist auch sport with ANDHIM (photo by andreas tauber)-1

Wie ging es weiter ?
Nachdem ich dann anfing in Bruneck (nächste Stadt) aufzulegen und eigene Abende mit Bands zu organiseren ging alles relativ schnell. Es kamen Konzepte wie das Indiefestival „Gorgeous Music Festival“ und andere Projekte wo ich mich beteilligte. Es ging sogar soweit, dass wir in einer Gruppe nach der Matura-prüfung zusammen mit einem bekannten Gaswirt aus Brixen ein kleines Lokal namens „Corner Rock Pub“ eröffneten. 2 Monate haben wir zu 5. jeden Tag 10 Stunden einen Keller mit einfachen Materialien zu einem Mini-Club umfunktioniert. Nach 2 Jahren mit akuten Lizenzmangel und viel Missgunst von Seiten der Nachbarn, der lokalen Politik und Nichtgönnern, musste das Projekt sterben. Ich übernahm kurz darauf einen Club namens „Time Out“ ganz in der Nähe für knapp 2 Jahre. Zwischen drinnen entstanden Konzepte wie WUPWUP (Tanzen ist auch Sport), Love Electro Festival, und einige andere. Ich hab immer mehr aufgelegt, viel im angrenzenden Ausland und hab eigentlich das Beste draus gemacht glaub ich.

Was war dein größter Erfolg?
(überlegt) Erfolge gab es eigentlich mehrere und diese sind gar nicht zwingend an die vielen Besucher und ausverkauften Shows zu koppeln. Die grösseren Erfolge waren definitv, dass wir es geschafft haben viele neue Locations zu öffnen und sie als erstes zu bespielen. Der Fakt, dass wir stets alternativ und fern vom Mainstream international gebucht haben und trotzdem fast immer ausverkauft waren, macht uns schon glücklich.

Ich denke an unser wupwup-Almfest auf einer Almhütte auf 2000 Metern Höhe ohne Strom mit 400 Besuchern aus ganz Europa oder an die Festung Franzensfeste, wo es ein unglaublicher logistischer Aufwand war unser LOVE ELECTRO FESTIVAL zu veranstalten. Aber auch der Eingangsbereich und der Innenhof der Messe Bozen waren top. Alles Orte, wo man uns gesagt hat, es wäre reine Zeitverschwendung es überhaupt zu versuchen.

gorgeous music festival with FRISKA VILJOR (foto by ivan poletti)

Es kann ja mit einigem Recht behauptet werden, dass du echt was auf die Beine gestellt hast die letzten Jahre. Was ist dein Erfolgsgeheimnis?
Wie schon gesagt – Ich bin nie alleine. Wir haben einfach eine Mannschaft, die es liebt, das zu machen, was sie tut und genau deswegen funktioniert es. Neben der Musik setzen wir sehr viel auf das Visuelle, von Grafiken bis Dokumentationen bis Bühnendesigns oder Dekorationen. Wir investieren viel Zeit und Geld um alles so persönlich wie möglich zu machen.

Wir haben in Vergangenheit einfach unsere Ideen umgesetzt und das stets in einer Gruppe. Wir haben uns oft mächtig die Köpfe eingeschlagen, überlebt hat am Ende aber immer die beste Idee. Erfolgsgeheimnis in diesem Sinne ist schwer zu definieren. Unsere Shows wären überhaupt nichts wert ohne unser Publikum, welches, trotz Provinz, großteils sehr offen und neugierig ist. Der Dank gilt allein unseren Besucherinnen und Besuchern. Da kommt man nicht drumherum. (lacht)

Tanzen ist auch Sport – 5 Years Birthday Open Air from wupwup on Vimeo.

Was kommt als nächstes?
Schwer zu sagen. Natürlich wird es in Zukunft früher oder später ruhiger werden mit uns. Diese Entwicklung ist eigentlich logisch. Wir haben alle fertig studiert, haben „seriöse“ Jobs und können es uns rein zeitlich viel schwieriger leisten wie früher uns um Events und  zu kümmern. Wir haben nach wie vor ziemlich viele Ideen und setzen sie auch um, aber es wird sicher nicht Mehr werden. Ich hoffe es kommen neue Leute nach, die das Ganze  motiviert, risikofreudig und kreativ angehen.

Da du auch politisch aktiv und interessiert bist, würden wir dich gerne auch dazu befragen. Was bewegt dich denn politisch?
Ich bin von Grund auf ein politischer Mensch. Ich wollte immer schon mitreden und mitentscheiden wenn es um Dinge geht, die meine Umgebung oder mich selbst betreffen. Ich übernehme gern Verantwortung und ich bin neugierig. Aktive Politik ist im Moment kein Thema, aber im politischen Umfeld zu arbeiten gefällt mir ganz gut. Man lernt sehr viel und das 360 Grad. In der Regel behandelt man jeden Tag ein anderes Thema.

Um wieder auf die Kreativwirtschaft zurückzukommen. Ihr habt mehrere Initiativen laufen, wo ihr Lobbyarbeit für die Sub- und Jugendkultur von Südtirol macht. Seht ihr da ein besonderes Bedürfnis in Südtirol ?
Das Nachtleben und ganz allgemein die Kreativwirtschaft sind ein Grundbedürfnis von sehr vielen Menschen, insbesondere der Jugend bzw jung-denkenden Personen. Nach anstrengenden arbeitsreichen Woche, wo vor allem die jüngeren Generationen immer mehr unter Leistungsdruck stehen, ist das Wochenende einfach wichtig. Es fungiert als Ventil. Wochenende ist aber nicht nur Sport, Freizeit, Tageslicht sondern auch abendliche Veranstaltungen, Konzerte, DJ-Abende, Lesungen, Theater, Kabarett,..

Entscheidungsträger müssen diese Welt anerkennen und dementsprechend Ermöglichungspolitik forcieren.

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Netzwerke halten die Gesellschaft zusammen und machen sie stärker. Wichtige Netzwerke werden am Abend, in einer Bar, bei einem Konzert geknüpft. Oder wo kommt man beispielsweise seinem Partner/in zum ersten mal signifikant nahe. Sicher nicht bei der Kaffemaschine im Büro. (schmunzelt)

Wie schon gesagt, man darf von unserer Provinz nicht verlangen wie eine Großstadt zu funktionieren. Trotzdem hat sie die Pflicht für eine funktionierende Kreativwirtschaft (egal in welchem Bereich) zu sorgen, Subkulturen fernab vom Mainstream zu unterstützen und die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

 

Arnos Welt

store.wupwup.com
www.tanzen-ist-auch-sport.com
www.electrofestival.com
www.biiig.net
www.wingmancoop.com

 


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