Sneaky Pete—Ein Netz aus Lügen

Sneaky Pete—Ein Netz aus Lügen

Sneaky Pete ist die Story eines Kleinkriminellen, der gerade aus dem Gefängnis entlassen worden ist, und sich immer tiefer in ein Netz aus Lügen verstrickt, um sich irgendwie durchzuschlagen. Doch die Lügen haben Methode: Sneaky Pete ist ein Meisterarchitekt von Memory Palaces.

Sneaky Pete ist eine neue Serie bei Amazon Prime, die sofort in den Bann zieht. Entwickelt von Bryan Cranston, der in Breaking Bad den legendären Meth-Koch Walter White spielte, zeigt Sneaky Pete geschickt die Psyche eines Kriminellen auf. Gewitzt, verschlagen, hinterfotzig, aber hochsympathisch, begibt sich Marius (gespielt Giovanni Ribisi) in einen Sumpf von Lug und Betrug. Ein geborener Hochstapler, ein Low-Life Felix Krull könnte man sagen, nimmt Marius direkt als er aus dem Gefängnis kommt, die Identität seines Zellnachbarns an und nennt sich ab sofort Pete.

Nicht ganz ohne Grund ist er ab sofort Pete. Sein erster Stopp ist bei den Großeltern seines Zellnachbarn, die er gehörig ausnutzen wird. Die Großeltern des echten Pete sind ahnungslos, ob da wirklich ihr Enkel vor ihnen steht. Den echten Pete haben sie immerhin seit 20 Jahren nicht mehr gesehen. Er braucht eine neue Identität, um sich vor einem anderen Gangster zu schützen, dem er wegen einer vormaligen Hochstapelei noch 100.000 Dollar schuldet. Bryan Cranston übernimmt in der von ihm konzipierten Serie den Part des rachsüchtigen Gangsters.

Die Serie hat großes Suchtpotenzial und Leute mit Binge-Watching-Tendenzen sollten vorsichtig sein. Denn spätestens nach der ersten Folge fragt man sich bereits, wie weit Pete (bzw. Marius) es noch wird treiben können, ohne entdeckt zu werden.

Die Spannung baut sich also sukzessive auf und die Serie schafft es (zumindest in der nun veröffentlichten 1. Staffel), den Spannungsbogen auch zu halten. Der Tod ist dabei ständiger Begleiter von Pete/Marius. Man fragt sich, wann das Schicksal losschlagen wird.

Cranston erzählt im Interview, wie er auf den Namen Sneaky Pete für die Sendung kam. Als Kind wurde er von seinen Eltern so genannt, weil er sehr experimentell war, ständig auf Achse, Lausbubenstreiche inklusive. Ein Sneaky Pete ist jemand, der sich, wenn er erwischt wird, auf die einfachste Art herausreden will, keine Verantwortung für das eigene Handeln übernimmt, aber dennoch so sympathisch, sich aus allen Situationen herauswindet, dass man ihn eben halb liebevoll, halb besorgt einen Sneaky Pete nennt.

Die Serie ist gerade exklusiv bei Amazon Prime Deutschland erschienen. Ab dem 17.02.2017 gibt es auch die synchronisierte Version. Und gute Nachrichten gibt es auch schon: die zweite Staffel ist bereits in Auftrag gegeben worden. Man darf sich also auf weitere Lügen und halsbrecherische Verstrickungen des gewiefte Petes freuen.

Jedoch sollte man auch anmerken, dass Sneaky Pete sehr nahe an Better Call Saul ist und Better Call Saul macht einen besseren Job bei der Darstellung eines Con Artists. Denn teilweise ist Sneaky Pete etwas zu aufgedreht. Das kann sich mit der nächsten Staffel noch ändern, wenn sich Schauspieler und Drehbuchautoren in Charaktere und Story Lines besser eingearbeitet haben. Nach oben ist also noch Luft.

Ohne zu viel zu verraten, ist eine der interessantesten Aspekte das große Erinnerungsvermögen von Pete. Wer sich kontinuierlich in Lügen verstrickt, sogar unter falscher Identität bei einer Familie im Haus wohnt und permanent vorgaukeln muss, er sei jemand anders, muss sich perfekt in der Architektur seiner Lüge bewegen können. Pete/Marius baut deswegen sogenannte Memory Palaces in seinem Gehirn. Das sind imaginierte oder reale Orte, etwa eine große Kirche, die man gut kennt. Fortgeschrittene errichten sich komplett künstliche Memory Palaces und bewahren dort Informationen auf, beziehungsweise ihr Lügenkorsett. Mittels solcher ‘Paläste’ schafft es Sneaky Pete sich in seinem Netz aus Lügen nicht zu verstricken. An jedem Einrichtungsgegenstand oder besonderem Merkmal des Palastes werden Informationene hinterlegt oder gespeichert. Ein trainierter Architekt von Memory Palaces kann blitzschnell auf Informationen geordnet zugreifen.

Falls sich die Autoren von Sneaky Pete auf diesen Aspekt weiter einlassen und auf die Möglichkeit der mentalen Architektur soclher Memory Palaces tiefer eingehen, könnte die Serie noch sehr interessant werden. Und weitaus mehr als nur die Geschichte eines gewöhnlichen Hochstaplers.


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