Schwebet frei! Der Künstler Lukas Ipsmiller im Interview

Schwebet frei! Der Künstler Lukas Ipsmiller im Interview

wyme: Wofür steht der Titel “Levitate”?
Lukas Ipsmiller: Levitate ist ein englischer Begriff und bedeutet frei schweben. Er steht sinnbildlich für den Prozess in dem die Fotografien entstanden sind und bringt auch auf eine gewisse Art das Gefühl das ich beim Betrachten der Bilder habe zum Ausdruck.

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Der Untertitel lautet: Illusions of a reality that never existed. Was soll das bedeuten?Zunächst: Was ist Realität? Was Illusion? Und wie kommen beide ins Spiel und zum Gegensatz in deinem Buch?
Gute Frage, was ist Realität eigentlich und wann wird die Realität einer Person zur Illusion bzw. wann werden die Illusionen einer Person zu ihrer oder sogar zu einer geteilten Realität? Für mich besitzt jeder seine eigene Realität, treffen zwei Individuen aufeinander dann überschneiden sich deren Realitäten und bilden eine gemeinsame Realität. Dazwischen gibt es allerdings die subjektive Wahrnehmung und so entstehen in dem gemeinsamen Realitätskonstrukt glitches. Als klassisches Beispiel fällt mir da ein wenn man zu jemandem etwas sagt und die Person hört es nicht. Jetzt kann das so gewesen sein oder aber man hat sich nur eingebildet es gesagt zu haben. Es ist eigentlich nicht möglich heraus zu finden was jetzt Realität ist und was Illusion. Die Frage nach dem Realitätsanspruch der Fotografie haben ja schon viele Künstler behandelt und sie ist im Endeffekt auch dem Medium immanent. Ein Foto bildet vermeintlich die Realität ab, bedingt durch den Erschaffungsprozess, hat aber eigentlich nicht mehr Realitätsanspruch als jede andere Abbildungsform, sagen wir zum Beispiel die Malerei. Zusätzlich liegt einem Foto immer die subjektive Wahrnehmung einer Person zu Grunde. Technisch gesehen stellt die Fotografie eine Illusion dar, die Realität die sie vermeintlich abbildet hat aber so auch nie existiert da sie durch die subjektive Wahrnehmung des Künstlers verzerrt wurde. Demnach sind Fotografische Medien Illusionen einer Realität die nie existierte. Ich habe mich sehr ausführlich mit diesem Thema beschäftigt und nach einem Weg gesucht es subtil zur Sprache zu bringen, was zu einigen Formalen Entscheidungen geführt hat, welche unter anderen wären Analog und Schwarz und Weiß zu arbeiten, außerdem sind die Framings meistens sehr zentriert. Diese Herangehensweise erzeugt Bilder die zurückhaltend und auf eine gewisse Weise distanziert sind und dadurch dem Betrachter viel Spielraum geben seine eigenen Illusionen zu erschaffen. Losgelöst von diesem ganzen Bla Bla ist für mich allerdings am relevantesten das die Bilder auf einer Emotionalen Ebene und auch ohne dem theoretischen Kontext funktionieren. Am Ende das Tages möchte ich Bilder erzeugen die mich und hoffentlich auch andere ansprechen.

tl;dr: Fotos können die Realität nicht abbilden da jeder eine eigene Realität hat, ist aber eigentlich auch egal, weil ich möchte eh nur schöne Bilder machen.

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Du veröffentlichst im Eigenverlag. Wie läuft das ab?
Vorab, um im Eigenverlag zu publizieren braucht man nichts bestimmtes außer viel Zeit und Wille. Man kann einfach ein Buch heraus bringen und vertreiben. Man braucht nicht mal eine ISBN Nummer (die man ganz einfach kaufen kann auch ohne ein Verlag zu sein), allerdings gibt es einige Buch Läden die Bücher ohne ISBN nicht auflegen. Zu beachten ist natürlich das man ganz normal Steuern abführe muss etc.. Ich habe das Buch mehr oder weniger selbst gestaltet. Beim Feinschliff vom Layout und der Form hat mir Max Edelberg geholfen, ein guter Freund und sehr talentierter Designer. Die Produktion habe ich in der Druckwerkstatt machen lassen, das ist eine kleine Druckerei in Wien, die mir zum Glück sehr entgegen gekommen ist. Um die Kosten noch zu senken habe ich bei Europapier, das ist der größte Papierhändler in Wien, um ein Papier sponsoring angefragt und das auch erhalten. Während der Produktion habe ich dann organisiert das ich im Galerie Raum meiner alten Künstlergruppe Perfekt World die Buchpräsentation inklusive kleiner Ausstellung machen kann. Bei der Eröffnung habe ich dann auch bisher die meisten Bücher verkauft. Jetzt bin ich gerade dabei mit verschiedenen Buchläden zu verhandeln ob sie das Buch auflegen, wobei ich das eher skeptisch sehe. Der Aufwand spricht hier nicht für sich. Ich denke die meisten Bücher werden von Hand zu Hand verkauft werden.

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Vielleicht kannst du uns etwas zu deinen anderen Arbeiten erzählen auch zu deiner Künstlergruppe.
Ich habe jetzt fast 3 Jahre ausschließlich Fotografiert und das Ergebnis dieser Zeit ist in Levitate zu sehen. Davor habe ich in einer Künstlergruppe gearbeitet und wir haben viel unterschiedliches Zeugs gemacht, von Malerei über Performance bis hin zu Medienskulpturen. Der Rest der Bande ist weiterhin tätig und es war sehr schön mit ihnen gemeinsam die Ausstellung für das Buch zu organisieren. Künstlerisch weiß ich nicht was als nächstes passieren wird, jetzt entspanne ich mich mal etwas. Irgendwann wird mich dann sicher wieder die Motivation packen. In der Gruppe hatten wir extrem viel Output und wir haben ständig gearbeitet, das hat mir irgendwann nichts mehr gegeben. Jetzt arbeite ich nur mehr künstlerisch wenn ich mich danach fühle. Es ist auch nicht mein Ziel Hauptberuflich Künstler zu sein, das macht keinen Sinn für mich.

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Woran arbeitest du gerade sonst noch?
Vor einiger Zeit habe ich gemeinsam mit Freunden Men in Space gegründet. Das ist ein Zusammenschluss von verschiedenen kreativ Schaffenden wo jeder macht worauf er Lust hat. Bisher gab es einen gemeinsamen Web Auftritt den ich gerade überarbeite und der seit 2 Jahren Morgen veröffentlicht wird. Da sind ganz unterschiedlich Leute dabei, ein Vj, Musiker, Filmschaffende, Dj´s, ein Poetry Slammer,…wir sind momentan sieben Personen glaube ich. Vor kurzem habe ich mit Hypnotic Panzerfaust aka the number one weekend warrior ein gemeinsames Atelier bezogen und wir fassen unsere vereinten Kräfte unter dem Namen Men in Space Services zusammen. Unter diesem Brand machen wir Auftragsarbeiten wie z.B. Musik Videos, Image Clips, Web design. Da liegt grad mein Hauptfokus drauf. Nebenbei läuft auch noch die Veranstaltungsreihe Wiener Endorphine, wo ich seit 3 Jahren mit ein paar andren Freunden ca. alle 2 Monate eine Party schmeiße und auch auflege. Das macht echt Spaß und wir haben dieses Jahr richtig tolle Bookings gehabt.

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Wo kann dein Buch gekauft werden?
Momentan kann man das Buch kaufen indem man mir ein mail schreibt oder mich auf der Strasse trifft und hoffentlich ganz bald auf der neuen Men in Space website.

Lukas’ Künstlergruppe Men in Space findest du hier

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