NICHTLUSTIG – oder zu abgedreht?

NICHTLUSTIG – oder zu abgedreht?

Haiko Hörnig ist seit 2013 bei NICHTLUSTIG. Joscha Sauer hat ihn als Ideenquelle dazu geholt, um sich gemeinsam mehr Witze auszudenken. Über die Jahre sind für Haiko viele Aufgaben dazugekommen: Er spricht nicht nur einige Figuren selbst, er zeichnet auch Storyboards, kümmert sich um Soundeffekte und den Videoschnitt.

NICHTLUSTIG erinnert uns an Zeiten, in denen die Bücher von Joscha Sauer als einzig wahre Geschenkoption galten. Wir erinnern uns an eine tiefe Toilettenmeditation, während derer wir uns in diesen Büchern verschanzten. Und was auf deutschen Toiletten klappt, das klappt auch im Fernsehen, oder?

“Wir sind mit dem Konzept gegen Wände gerannt”, sagt Haiko.

Die großen Sender waren nicht interessiert. Das ging so weit, dass die Jungs von NICHTLUSTIG mit Unterstützung von Britta Schewe, die Kontakte zu Sendern hat, nicht mal vorstellig wurden. “Da waren wir wirklich überrascht.” Haiko fragt sich: Wie kann es sein, dass in Zeiten, in denen Kino und TV verstärkt auf Adaptionen zurückgreifen, ein Projekt mit so einer riesigen Fanbase nicht mal angeschaut wird?

Am Ende wollten sie nicht mehr “buckeln gehen”. Nicht an allen möglichen Türen klingeln, die vom Prinzip hätten offen stehen müssen. “Warum dann nicht gleich Kickstarter nutzen, den Mittelsmann rausnehmen und den Fans die Inhalte direkt liefern?”, fragt sich Haiko.

110.000 Euro wurden für eine Folge angesetzt. Was für uns viel klingt, erklärt der Co-Autor genauer: “Wenn du als Laie, der beruflich nichts mit Animationen zu tun hat, diese Summe hörst, klingt das erst mal nach viel Geld. Aber wenn man überlegt, wie lange wir daran arbeiten mit einem Team von knapp 30 Leuten – dann bleibt am Ende nicht viel übrig.”

Dabei sind die 110.00 nur die erste Etappe. Es gibt Stretchgoals für jede weitere Folge. Das Ziel ist: für eine ganze Staffel Geld zu sammeln. “Dann müssten aber auch wieder mehr Leute dran arbeiten, weil die Fans ja nicht fünf Jahre auf die nächste Episode warten wollen. Joscha will auf jeden Fall nicht superreich werden oder sowas.” Haiko lacht. Es ist schon eine seltsame Welt, in der ein Kreativer sich erklären muss, warum er die Kosten für sein Projekt decken will.

NICHTLUSTIG
Joscha Sauer von NICHTLUSTIG

Wird Kickstarter in der Zukunft unser Fernsehprogramm vollständig gestalten, wenn die großen Sender sich nicht mal für erfolgreiche Namen interessieren?

“Ich glaube nicht, dass Kickstarter einen Anbieter wie Netflix ersetzen kann”, meint Haiko. “Bei Kickstarter gibt es vorher kein Produkt, keinen schnellen Access zu den Inhalten wie bei Netflix.” Er hofft, dass sich Kickstarter mehr im Mainstream durchsetzen wird und mehr gute Projekte damit finanziert werden. “Weil ich glaube, dass viele, die jetzt Geld geben, das vorher noch nie gemacht haben.” Das Fernsehen wäre dabei ein toller Bonus. „Trotz aller Kritik würde ich mich natürlich trotzdem freuen, die Folgen im Fernsehen zu sehen.“

Warum das nicht klappt? Haiko glaubt, es fehle den Entscheidungsträger an Mut. Obwohl in Deutschland alle davon sprächen, das nächste Breaking Bad produzieren zu wollen, wüssten die Leute gar nicht, was da alles hintersteckt. „Ich glaube, das sind angstgesteuerte Entscheidungen. Leute werden hierzulande eher getadelt als gelobt. Niemand will derjenige sein, der es am Ende verbockt hat. Aber wenn es gut läuft, rennen alle nach vorne.”

NICHTLUSTIG 6

Kann es auch an den kreativen Inhalten liegen, fragen wir Haiko. Daran, dass es eben nicht nur an mutigen Entscheidungen fehlt, sondern an der Glaubwürdigkeit der eigenen Idee?

“Es ist alles verbesserungswürdig. Wenn man sich die ersten Folgen Family Guy anschaut, ist das bei Weitem nicht so lustig. Serien bekommen nicht den Raum, sich zu entwickeln.”

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Frau

Das Konzept jedenfalls steht – und die Fans zeigen sich geberfreundlich: Nach zwei Tagen ist das erste Etappenziel erreicht. “Ich freue mich total, dass NICHTLUSTIG so gut ankommt. Aber es ist ein weiter Weg, es sollen mehr Folgen werden. Ich hoffe, dass das anhält und mehr Leute mit unserer Kinotour erreicht werden”, sagt Haiko. Ab Montag geht es für NICHTLUSTIG nach München, Köln, Hamburg, Berlin.

Und welche ist Haikos Lieblingsfigur? Erst nennt er ein paar kleinere Figuren, dann bleibt er bei den Professoren hängen. “Wilson and Pickett, weil man sich für deren spezielle Beziehung so schön abgedrehtes Zeugs ausdenken kann.“

Selbst schuld, wenn das Fernsehen das nicht haben will.

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