Michael Sandel: Was man für Geld nicht kaufen kann

Der Philosoph Michael Sandel beschäftigt sich intensiv mit der Möglichkeit, den öffentlichen Diskurs dahin zu lenken, wo es weh tut. Seine zentralen Fragen sind, Was ist Gerechtgkeit, Was sind die Grenzen des Marktes, aber auch Kontemplation über das Heilige und die Freundschaft. Letztere, zeigt Sandel in unserem Gespräch auf, haben gar nahezu gar keinen Platz mehr im öffentlichen Diskurs. Doch sollten wir genau dazu wir zurückkehren. Die pluralistische Gesellschaftstheorie und -Praxis hat dies, behauptet Sandel, größtenteils vermieden, und es damit dem Markt ermöglicht, sich immer weiter in sämtliche Sphären der Lebenswelt auszubreiten.

Was ist Muße?

Ein Leben im Zeichen der Muße und der dichterischen sowie wissenschaftlichen Schöpfungskraft. Goethe, könnte man behaupten, hat es vorgemacht. Sie steht eben nicht im Namen der Faulheit oder gar der Ziellosigkeit. Ein Schlagwort unserer Zeit, wird sie gerne mit der Freizeit verwechselt, also mit der Zeit, die man zwar nicht in der Arbeit verbringt, die aber dennoch durch letztere bedingt ist. Viel wird auch von der Entschleunigung geredet. Man müsse weniger schnell leben, weniger schnell arbeiten. Doch greift das weit genug? An der Universität Freiburg denkt deshalb eine Forschergruppe den Mußebegriff neu und erkundet so welche Räume er für uns erschließen könnte.
Der Philosoph Tobias Keiling, der dort im Teilprojekt “Muße als räumlich Freiheit” arbeitet, hat uns zum Thema Muße wesentliche Fragen beantwortet.

Rezension: Die Strudlhofstiege

Ein Buch, bei dem man nicht wirklich weiß, was darin passiert, wer die handelnden Personen sind, ob es irgendeinen übergeordneten Handlungszusammenhang gibt, das darüber hinaus noch 900 eng bedruckte Seiten lang ist – und trotzdem oder gerade deswegen süchtig macht. Das ist Heimito von Doderers wienerisch dahingeplaudertes „Die Strudelhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre“. Mit abgründigem Humor und virtuoser Sprachgewalt erzählt das Romanepos von Liebeleien und Intrigen, von Verwicklungen und Verwechslungen und, immer wieder, vom Ende der Jungfernschaft.
Rezension: Digitale Paranoia von Jan Kalbitzer

Das Internet macht uns alle dümmer, fett und asozial – irgendwo im Hinterkopf erinnert man sich noch an die Weissagungen der ewigen Schwarzseher, die das Internet seit seiner Massentauglichkeit begleiteten. Nein zu solchen Pauschalisierungen, sagt der Psychiater Jan Kalbitzer in seinem kompakten, pragmatischen Ratgeber Digitale Paranoia. Darin verordnet er als Heilmittel einen auf Vernunft basierenden Umgang mit der digitalen Welt. Online bleiben, ohne den Verstand zu verlieren so der Untertitel. Ob das möglich ist? Hier unsere Rezension.

Allein unter Alternativen: Salami-Alarm in der Veganer-WG

Im Laufe meiner erfolgreichen Karriere als Punkrock-Drummer einer unbekannten Szene-Band, war es mir vergönnt, die eine oder andere mehr oder weniger spannende Erfahrung im Umfeld einer sogenannten Subkultur zu machen. Betrachtet, liebe LeserInnen, die folgenden Zeilen als Eintrittskarte, als eine Art Backstage-Pass, der euch hinter die heruntergekommenen Fassaden der links-alternativen Jugendclubs führt und euch Zugang zu einer Welt verschafft, die euch als Vertreter des gewöhnlichen Spießbürgertums garantiert verborgen bliebe—und das wäre ein Jammer, glaubt mir!

kinokiez #2: ANOMALISA

Is adulthood somehow un-American?

In The Pale King – his unfinished last book – David Foster Wallace presents the postponement of adulthood as a kind of great American symptom. For him it is the indispensable metaphor of American malaise.

Quantum Keys liebt Nietzsche

John, du bist kürzlich nach einer längeren Zeit in England zurück in die USA gezogen. Wie fühlt es sich an nach Hause zu kommen?
Nachdem ich jetzt über ein Jahr wieder zu Hause bin, fühlt sich die Zeit in England an wie ein Traum. Obwohl ich nicht sicher bin, ob es sich, wenn ich dorthin zurückgehen würde, nicht eher wie gestern anfühlen würde. Es wäre toll mal wieder durch die Straßen von London zu laufen. Zu Hause zu sein, fühlt sich ruhiger an, das mag ich sehr.

Shipwrecks: Party-Songs gehen einfach nicht, wenn der Tag scheiße ist

Es gibt Zeiten im Leben, da sind mir 60GB auf dem IPod noch zu wenig. Unlust herrscht auf jede Band und jeden Song, egal ob diese seit einer Dekade das Leben begleitet oder noch nie das Trommelfell hat zittern lassen. Ich kaute ungestillt auf dem Schnuller meiner Datendekadenz und scrollte gedankenfrei durch meinen Musikkatalog, als das Telefon klingelte. Kurze Zeit darauf war ich auf dem Weg zu einem Konzert, das irgendwo jenseits der dunklen Autobahn stattfinden sollte.

Grizu verachtet den Vinyl-Hype

Seit wann machst du Musik und was hat dich dazu gebracht?
Im Kindergarten ging es los mit Gesang und das habe ich von Kirchenchor bis Schulchor auch durch die Pubertät und den Stimmbruch durchgezogen. Übrigens letzte Reihe Bass. In der Grundschule habe ich auch Klavierspielen gelernt.

Europa, unser Aschehaufen

Ich bin auf Sizilien. Es ist spannend von hier die Debatte über Flüchtlinge in Deutschland zu beobachten, hier, wo an mehreren Häfen täglich Tausende ankommen. Die Presse überschlägt sich mit der Berichterstattung in meinem Heimatland, die Flüchtlingsheime brennen. Es ist wichtig, dass wir uns mit dem Thema auseinandersetzen, aber das Phänomen ist kein Neues. Ich gebe mir selbst die Schuld.