Die wahre Misere des Super Bowls: Pop ist tot

Die wahre Misere des Super Bowls: Pop ist tot

Foto von proacguy1

Gestern hat das Lieblingsteam des US-Präsidenten Donald Trump, die New England Patriots, den Super Bowl gewonnen. Und zwar mit einem der unglaublichsten Comebacks, die es im Sport je gab. Doch es gab auch einen Verlierer jenseits des Spielfelds: Pop is dead. Und das ist vermutlich auch gut so.

Aber der Reihe nach. Der Super Bowl ist das Großevent der amerikanischen Massenbespaßung. Jedes Jahr präsentiert sich hier der Hauptexport des US-Imperiums mit einer Gigantomachie in Lautstärke, Fanfaren und Boom Boom, die in ihrer Bombastik nur noch vom derzeitigen Präsidenten übertroffen wird.

Wer sich einmal den Super Bowl angetan hat, weiß, dass der Sport hier im Hintergrund steht. Es geht zumeist nicht darum, ein möglichst schönes Spiel zu liefern, sondern so viel Werbung wie irgend möglich unterzubringen. Wahre Fans fiebern dann tatsächlich schon monatelang auf die Super Bowl Werbespots hin. Diese kosten Millionen, sind technisch aufwendig wie Hollywoodfilme, strotzen vor Stars und impliziter politischer Botschaft. Besonderes Schmankerl war dieses Jahr der Werbespot von Audi USA. Man präsentierte sich als äußerst inklusiv und ‚pro-Women’. Prompt wurde aber auf Twitter darauf von tausenden darauf verwiesen, dass im Vorstand von Audi nur Männer sitzen. Das ging dann wohl dann hinten los.

Das Spektakel des Super Bowls könnte amerikanischer nicht sein. Das Empire stolziert stolz vor sich her und präsentiert seine neuesten Exportschlager. Es liegt zu nahe, dass man überhaupt explizit darauf verweisen müsste, aber damit es auch noch der letzte mitbekommt: das Römische Reich ist in den USA wieder auferstanden, mitsamt aller Dekadenz und alljährlicher Brot und Spiele, die eine verarmte Gesellschaft bei Laune halten.

Doch dieses Jahr hat sich ein Riss gezeigt. Neben den Werbespots ist die Halbzeitshow das Herz des Super Bowls. Der jeweilige Superstar der US-Unterhaltungsindustrie brüllt sämtliche Versuche einer Beibehaltung der Kultur der alten Welt nieder. Mal ist es Beyonce (mir egal, wo oder ob da ein Apostroph fehlt), mal die Black Eyed Peas. Aber immer ist es jemand, der aktuell die größten Hits zu bieten hat.

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Dieses Jahr aber war es Lady Gaga, die mit 30 bereits zum alten Eisen gehört und seit eigentlich fünf Jahren nichts mehr Wesentliches hinbekommen hat (nicht, dass irgendetwas an ihr oder gar ihrer Musik jemals bahnbrechend gewesen wäre). Gaga darf also ihre Uralt-Hits noch einmal aufführen, die mittlerweile höchstens noch als Hintergrundmusik in einem Shopping-Mall-Aufzug dienen. Dutzende Kostümwechsel konnten über den Abgrund nicht hinwegtäuschen: die Popindustrie hat nichts mehr neues zu bieten. Und Lady Gaga mimt die Totengräberin.

Gaga hätte vermutlich sowieso niemand jemals beachtet, hätte sie sich nicht in allerlei absurden Kostümen und sexuellen Posen seit Beginn ihrer Karriere präsentiert. Sie war von Anfang an die traurige Vollendung des Pop. Langweilige bis spießig-armselige Texte (I call you on my Telephone, oder Don’t call my name Fernando…) gepaart mit dem ‚perfekten’ Radiopop.

Ihren letzten ‚großen’ internationalen Auftritt hatte Gaga 2015 in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan bei den sogenannten Europa-Spielen. Die Europa-Spiele waren eine Erfindung des repressiven Regimes von Aserbaidschan. Man war brüskiert, dass man die Olympischen Spiele nicht bekommen hatte, so erfand man seine eigenen Spiele. Das Regime riss hunderte von Wohnblöcken ein, um die Stadien zu bauen. Aserbaidschan ist eines der miesesten Länder, was Menschenrechte angeht. Aber die gute Frau Gaga (der Name ist eben Programm) war sich nicht zu schade, dort für viel Geld ‚Imagine’ von John Lennon zu singen. So gesehen ist Fräulein Gaga wohl wirklich nichts weiter als der Grim Reaper, der engagiert wird, wenn man weiß, dass es eh schon egal ist. Die deutschen Medien hingegen waren sich mal wieder einig: alles supi, vor allem die Gaga.

Ihr peinlicher Auftritt dann nichts als ein stilles Eingeständnis, dass der Massenpop tot ist. Und das ist wohl das beste an der Sache.


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