Die Ausgeburt des Bösen: junge Mütter in Internet-Foren

Die Ausgeburt des Bösen: junge Mütter in Internet-Foren

Es gibt viele Sünden, die junge Mütter im Internet begehen können. Etwa Fotos ihre Schützlinge online zu stellen. Oder über deren Krankheiten sinnieren. In diesem Text allerdings soll es explizit um Mütter in Foren gehen. Denn sie bewohnen keinen geringeren Ort, als den Todesstern der Social-Media-Galaxis selbst.

Laut 90 Prozent jener Mütter, die man zu jeder Tageszeit im Internet antrifft, bin ich bereits zum 24. Mal schwanger, hatte acht Fehlgeburten und das Ziehen im Mutterleib ist ein eindeutiges Zeichen einer bevorstehenden Schwangerschaft. Und das alles trotz Pille und Periode. Die sogenannten „Tropipe-Kinder“ scheinen nämlich nur so aus dem Boden zu sprießen; eine ganze Nation ist aus ihnen bereits entstanden. Jeglicher Verhütungsmittel und Biologie zum Trotz.

„Mein Justin wurde mir auch erst bestätigt, nachdem ich noch acht Mal meine Periode hatte.“

Janine79 beschreibt das Ganze auch noch so, als sei eine Schwangerschaft ein Grund zur Freude. Mittlerweile hat sich mein Unterleibsziehen in ein unerträgliches Brustspannen verwandelt: laut Forenmütter auch eines der todsicheren Anzeichen einer bevorstehenden Empfängnis.

Die Sorgen junger Frauen, die trotz Geschlechtsakt nicht bereit sind eine Schwangerschaft zu verantworten, werden von diesen Müttern in ihrem Angstkreis bestätigt.
Dass Brustziehen, Übelkeit und Unterleibsschmerzen auch anderen Krankheitsbildern zugrunde liegen kann, wird nicht weiter debattiert. Sätze wie „Ich will dir ja keine Angst machen, aber genau diese Symptome hatte ich vor meiner dritten Schwangerschaft auch“, werden jedem Statement vorangestellt.

Dabei sind am Ende nicht die Leittragenden, die die Frage im Forum gestellt hatten, sondern die, die sie als stille Beobachter später verfolgen. In 99 Prozent der Fällen wird eben nicht mit einem “Nicht schwanger“, aufgeklärt, sondern die Unterhaltung hört dort auf, wo die Mütter ihr Massengrab an falschen Unterstellungen hinterlassen: mit lauter Fragezeichen und vagen Antworten.

Am Ende hilft es nur noch, zum Arzt zu gehen. Das ist letztlich bei jeder Recherche einer Google-Krankheit so, aber Weisheit stellt sich bei manchem in der Tat erst mit dem Alter ein, und bei anderen wiederum gar nicht. Denn mit der Ankündigung, dass man nun doch zum Arzt gehen wolle, um eine Schwangerschaft auszuschließen, folgt die Fraktion: „Fehlerhafte Arztdiagnose“.

Diese Garde an Müttern weiß schon jetzt, dass so ein Test gar nichts heißen muss. Sie selbst waren schließlich 26 Mal schwanger, obwohl der Gynäkologe ihnen das Gegenteil bestätigt hatte.

Dass das Internet ein fehlerhafter Ratgeber ist, wissen wir. Und doch wird uns bei jeder Antwort die Allgemeingültigkeit eines amerikanischen Präsidenten suggeriert.

Letztlich glauben sogar noch schwache 98 Prozent der Mütter in Foren an die unbefleckte Empfängnis. Gar das zweite Jesuskind wird geboren, wenn eine vermeintlich junge Mutter erklärt, dass sie doppelt verhütet hat. Schwanger ist demnach, wer die Fragen stellt.

„Meine doppelte Verhütung ist jetzt 12 Jahre alt“, kommt es da in Anlehnung eines alten Volkswitzes ohne humorigen Gehalt von Sterni12 und man möchte sie alle verdammen, diese gruseligen, verantwortungslosen Mütter in Foren, die ohne Kontext und Zusammenhalt ihre Horrorstories auf das Internet loslassen. Die Vornamen ihrer Kinder nutzen sie gar für ihre eigene, jämmerliche Identität.

Offenbar warten sie nur darauf, Ängste zu nähren; uns ihre Schwangerschafts-Geschichten nahezu aufzudrängen. Und dann gratulieren Sie einem noch, diese Hexen der Neuzeit, als sei eine Schwangerschaft wirklich das Schönste auf der Welt. Wie ich schon sagte: Mütter in Foren sind eine wahre Jauchegrube der  Unmenschlichkeit.



Schreib uns deine Meinung:

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading...

Das könnte dich auch interessieren: