Deutschland in der PEGIDA-Falle

Deutschland in der PEGIDA-Falle

Vollidioten und Chaoten – so werden sie Unisono von Politik und Medien beschimpft. Die Pegida Bewegung zählt mittlerweile mehr als zehntausende Anhänger; auf die Straße gingen am letzten Montag 15.000 Menschen. Geschockt, verwirrt, und völlig überrascht reagieren da plötzlich die Verantwortlichen aus Medien und Politik dieses Landes. Bleibt die Frage: warum haben sie all das nicht kommen sehen?

Seit einigen Monaten beschäftigen wir uns bei Wyme mit dem Phänomen des Alltagsrassismus. Schon lange schauen wir mit Sorge auf den wachsenden Fremdenhass, der sich auf Familienfeiern und in Bekanntenkreisen mehr und mehr in seiner hässlichsten Maske zeigt. Schamlos, offenkundig, ungeniert. Islam und Islamismus werden jeden Tag in Deutschland gleichgesetzt, ungestraft, noch immer.

Es ist der Politik nicht gelungen diese Vorurteile zu beseitigen. Als Christian Wulff folgerichtig in seiner berühmten Islamrede vom 3.10.2010 erklärte, dass der Islam zu Deutschland gehöre, gab es viele kritische Stimmen, besonders innerparteilich. Auch Bundespräsident Gauck revidierte diesen Wulff-Satz später, er könne ihn nicht übernehmen, er hätte eher gesagt „die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.“

Noch klarer formulierte der damalige Innenminister, Hans-Peter Friedrich die diplomatische Ablehnung Gaucks: „Dass aber der Islam zu Deutschland gehört , ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt.“ So sprach er damals.

Es ist verwunderlich, dass hier noch mit parteiischer Rationalität aus den Reihen der CSU argumentiert wurde. Schließlich hatte Seehofer noch in jüngster Vergangenheit den hochemotionalen Spruch „Wer betrügt, der fliegt“, geprägt – ungeachtet der Zahlen und Statistiken, die belegten, dass ein „Sozialtourismus“ in Deutschland nicht gegeben sei.

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Nicht nur die Politik muss hier angeprangert werden. In den Medien geisterten trotz aller neu aufkommenden Liberalität schon vor Jahren islamkritische Artikel und Reportagen in der Medienlandschaft herum. 2007 berichtete der Spiegel noch von der „stillen Islamisierung Deutschlands“. Der Stern titelte unter folgender Headline: “Islam in Deutschland – zwischen Kopftuch-Streit und Terror-Angst.” Damit implizierten sie bewusst, dass der Terror zum Islam gehöre. Und schließlich gehört dieser Islam nach Wulff eben auch zu Deutschland.

Am Rande seien noch die Verlage zu erwähnen, die Thilo Sarazzin und Akif Pirincci verlegen, als gäbe es kein Morgenland mehr. Damit wollen die Verantwortlichen eine Meinungsvielfalt propagieren, (den Absatz steigern), begreifen dabei aber nicht den Auftrag, den sie als publizistisches Organ innehaben. Sie ermöglichen diese Autoren ungestört ihre rassistischen Äußerungen in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, ohne dafür auch nur im Geringsten belangt zu werden. Zwar bekommen die Verfasser dieser Texte dafür Gegenwind aus den Feuilletons, nutzen diesen aber, um mit der „gleichgeschalteten Lügenpresse“ zu argumentieren, und somit ihre Theorien stärker zu untermauern.

Ganz Unrecht haben sie damit nicht. Außer der BILD Zeitung, die nicht offenkundiger gegen den Islam hätte vorgehen können, schießen sich nach und nach alle Leitmedien auf die neu-liberale Gangart ein. Sie belügen damit ihre eigenen Söhne und Töchter, die doch jeden fremdenfeindlichen Artikel brav in sich aufgesogen hatten. Sie betreiben nunmehr Reparaturarbeiten an dem gebrochenen Damm, den sie vor einigen Jahren selbst mit aufbauten.

Bilder sind kraftvolle Organe, Worte auch. Diskussionen um Salafisten, Kopftücher-Verbote und „Sozialtourismus“ sind öffentlich geschürte Angstkampagnen. Die Bilder eines friedlichen Islams können dahinter nur verblassen. Angst ist eben stärker als Liebe.


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