Der, der nicht genannt werden darf: die Frankfurter Buchmesse 2014

Der, der nicht genannt werden darf: die Frankfurter Buchmesse 2014

Die Frankfurter Buchmesse ist beendet, die Verlagsleute wieder hinter ihre Schreibtische verbannt. Höchste Zeit, den Stand der Buchwelt einmal Revue passieren zu lassen.

Die größte Überraschung des Jahres auf der Frankfurter Buchmesse 2014: erstaunlich wenig Rumgenerve von Promis, die ihr Buch präsentierten. Natürlich waren auch die Enie van de Meiklokjes und Costa Cordalis dieser Welt zugegen, aber im Großen und Ganzen schien es auf der Frankfurter Buchmesse doch noch mehr um Qualität zu gehen als ich es auf dem Leipziger Konkurrenten dieses Jahr erlebt hatte.

Bin ich ansonsten kein Fan von Autobiographien, so ist das Helmut Kohl Buch eines der spannendsten Projekten des Jahres. Ein wichtiger Staatsmann, der am Ende seines Lebens auf seine Fehler zurückblickt, ist für mich geradezu prädestiniert für diese Gattung.

Hätten sie es sich mal zu Herzen genommen. Der “He-who-must-not-be-named”- Bösewicht der Verlagsbranche, wurde für meinen Geschmack leider viel zu oft erwähnt: Amazon.

Erstaunlich viele Worte wurden bei der ersten Pressekonferenz darüber verloren, dass man keine Angst habe vor diesem Wahnsinnigen. Erstaunlich wenig hatte man dem Riesen tatsächlich am Ende entgegen zu setzen.

In einem Interview fragte ein Moderator zum Beispiel ganz unverblümt einen Buchhändler:
“Sie lesen doch wohl hoffentlich keine Ebooks, oder?”, und hatte damit eine ganze Branche entlarvt. Die Lösungstrategie scheint es nicht zu sein, zukunftsorientiert bessere Inhalte für neue Lesemodelle zu schaffen, sondern jegliche Energie darauf zu verwenden, störende zu boykottieren.

Das war auch genau das, was mich an der “Vorsicht Buch”-Kampagne so aufregte, die dieses Jahr mit einem neuen, spektakulären Gimmick auffuhr: Postkarten. Fast niedlich muteten die krakeligen Erwachsenenschriften darauf an, die aufzeigen sollten, warum eine Buchhandlung soviel besser sei als Amazon. “Weil ich beim Buchhändler noch bestens beraten werde”, so eine der Antworten. Wenn ich da an meine untervögelte, verbitterte Buchhändlerin in meiner Nachbarschaft denke, kann ich das als Argument nicht gelten lassen.

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Bei dieser Kampagne wird sich ergo nicht positiv auf die Stärken des Buches verlassen, sondern eher auf die Schwächen von Amazon berufen. Das alleine schon zeigt die Verzweiflung des ganzen Unterfangens. Dabei kann sie stolz durch die Besucherhallen blicken, diese Verlagsbranche, und feststellen, dass das Buch noch Fans hat, die aus der ganzen Welt anreisen, um diesem wichtigen Happening beizuwohnen. Cosplayer, die sich als Harry Potter, als Fuchur und Froschkönige verkleiden, und die Buchmesse in ein buntes Festival verwandeln. Ich sah sogar ein Interview mit Martin Walser, für den die Menschen im ARD Forum Schlange standen! Es gibt also noch einiges, worüber sich der gemeine Verlagsmensch einen runterholen könnte. Tut er aber nicht.

Denn viele Autoren wandern bereits ab, in die Fänge des Self-Publishing. Und immer mehr Talente werden aus dieser heraus geboren. Trotzdem will niemand verstehen, woher das Interesse an den Online-Verlagen kommt. Dabei liegt die Antwort klar auf der Hand: der Verlag als wirtschaftliches Unternehmen bietet dem Autor von morgen keinen Mehrwert mehr. 8-prozentige Margen, die allenfalls das Druckerpapier ersetzen, auf dem der Autor sein Manuskript eingeschickt hat, sind die Regel. Fehlende Marketingaufwendungen, die teilweise vom Autor ganz alleine getragen werden müssen. Die Zurückdrängung der Kreativen in reine Bittsteller-Positionen. Lektoren, die das Blaue vom Himmel versprechen und sich kurz vor Vertragsschließung nicht mehr melden. Dies sind nur einige Beispiele, von denen ich rund um die Buchmesse erfahren habe.

So kann die alleinige Schuld nicht mehr beim angeblich nervigen, verschrobenen Autor liegen. Es müssen jetzt auch von der Buchbranche Fehler eingeräumt und aus dem Weg geräumt werden.

Aber warum sollte sie das tun? Einfacher ist es doch, dem bösen Nimmersatt Amazon die Schuld in die Schuhe zu schieben. Und schnarchend abzuwarten, bis das Ebook an ihnen allen vorbei zieht. Ein Erwachen bot diese Buchmesse jedenfalls nicht.


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